Bolivianisch-Peruanisches Reisetagebuch – Tag 3: Acht Tipps für Machu Picchu

Machu Picchu, Wahrzeichen Perus, eines der sieben Weltwunder, Touristenhighlight, weltberühmt. Und trotzdem hätte ich da einige Tipps, selbsterprobt und nicht immer legal. 

Tipp 1: So früh wie möglich
Diese Reise ist etwas für Frühaufsteher. Auch unser dritter Tag beginnt im Morgengrauen. So früh wie möglich auf der Matte stehen (um 6 Uhr wird geöffnet, der erste Bus in Aguas Calientes fährt um 5.30 Uhr ab) ist unverzichtbar, wenn man Machu Picchu vollständig würdigen will. Uns selbst war das leider nicht ganz klar: Mehrere (offizielle) Mitarbeiter aus der Tourismusbranche hatten uns gesagt, Machu Picchu sei immer voll, „egal, um wie viel Uhr ankommt“. Falsch! Als wir um 7.45 Uhr eintreffen, geht es noch verhältnismäßig ruhig zu. Als wir hingegen am Mittag von unserer Wanderung auf den Waynapicchu-Berg zurückkommen, verlieren wir uns fast, und zwar nicht zwischen den verwinkelten Ruinen, sondern in den Touristenhorden. Und wenn es um kurz vor acht noch halbwegs überschaubar ist, wie angenehm leer muss es dann erst um sechs Uhr sein? Ganz abgesehen von dem wunderschönen Morgenlicht für die Fotograf_innen unter uns.

Tipp 2: Ticket für eine Bergwanderung reservieren
Unsere Eintrittskarten haben wir per Internet einige Wochen zuvor bestellt und auch eine Wanderung auf den Waynapicchu mitgebucht. Das ist ein Berg, der sich direkt neben dem eigentlichen Machu Picchu-Gelände emporstreckt und den pro Tag nur insgesamt 400 Besucher_innen besteigen dürfen (vormittags und nachmittags je 200). Dementsprechend schnell koennen diese Tickets ausverkauft sein, Wochen oder gar Monate zuvor. Wahlweise hätten wir auch den einige hundert Meter weiter stehenden Berg erklimmen können, der wie die Ruinen selbst Machu Picchu heißt. Auch hierfür kann man nach dem selbem Konzept Karten erwerben. Welcher Berg nun besser ist, darüber lässt sich streiten. Lohnen tun sich beide, und obwohl wir hinterher hören, dass der Blick von Machu Picchu aus noch spektakulärer sein soll (der Aufstieg allerdings auch langwieriger), sind wir mit Waynapicchu mehr als zufrieden.

Wanderung auf dem Waynapicchu

Tipp 3 (für Brasilophile): Schau nach hochgestreckten Daumen und finde Brasilianer
Auf der Strecke wird uns schnell bewusst, wie schade es gewesen wäre, diesen Part nicht mitgebucht zu haben. An jeder Wegbiegung eröffnet sich uns ein neuer wunderbarer Blick auf die Anden und auf die Ruinen. Auf dem Pfad tummeln sich Leute aus aller Welt, die das offenbar genau so sehen. Einige Höhenmeter über uns posiert ein breit grinsender, blonder Mann mit hochgestrecktem Daumen vor der Kamera seines Kumpels. Die Assoziation blinkt in einer Bruchteilsekunde in meinem Gehirn auf. „Brasilianer!“, raune ich Miguel zu. Brasilianer_innen erkenne ich nämlich anhand eines Merkmals: Nicht an der Haut- oder Haarfarbe (diesbezüglich ist in Brasilien nämlich alles geboten), sondern am hochgestreckten Daumen.

Diese Geste (auf Portugiesisch übrigens liebevoll „joinha“, übersetzt etwa „Schmücklein“) genannt, ist in der brasilianischen Alltagskommunikation so universal wie unverzichtbar und darf auch auf keinem Foto fehlen. Einige Meter weiter oben bestätigt sich meine Vermutung: Eine große Gruppe redet wild auf Portugiesisch durcheinander. Sie wirkt wie eine Horde alter Freunde, die seit Jahren gemeinsam Gipfel erklimmen. Doch wie so oft stellt sich heraus, dass sich diese vertraut wirkende Gemeinschaft erst vor wenigen Minuten aus zahlreichen Wanderern zusammengefunden hat – und zwar, weil einer ihrer Landsmänner seiner Freundin soeben einen Heiratsantrag gemacht hatte. Freudig werde ich in die Mitte aufgenommen und es werden viele Fotos inklusive hochgestreckter Daumen geschossen, auch vom zukünftigen Ehepaar. Danach hab ich einen regelrechten Fröhlichkeits- und Energieschub. Die Brasilianer sind doch verhext.

Tipp 4: Genervt von Touristenherden? Hefte dich den Schrägsten an die Fersen
Auf andere Art amüsant finden wir zwei Mitwanderer aus den USA, die extrem natürlich und keinen Funken eingebildet auf dem Berg herumspringen, um ein Bewerbungsvideo für die Realityshow „The Amazing Race“ zu drehen. Die Anden in Stiefeln und Lederjacke zu besteigen, ist zugegebenerweise schon irgendwie gewagt. Auch sind die beiden sehr sozial und animieren begeisterte Schülergruppen zu flippigen Erinnerungsfotos. Wir heften uns spaßeshalber ein bisschen an ihre Fersen. Und finden: Schrägen Touristen heimlich zu folgen ist eine sehr erfrischende Form, Attraktionen zu besichtigen. Und dank der vielen affektierten „Ouuh myyy GOSHHH!“-Ausrufe werden wir sogar auf Details aufmerksam, die wir womöglich übersehen hätten: Beispielsweise eine Art kleinen Uhu, der verschüchtert in einer Nische sitzt.

Lustige Touristen

Dieser Beitrag wurde unter Peru, Reiseberichte, Texte auf Deutsch abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Bolivianisch-Peruanisches Reisetagebuch – Tag 3: Acht Tipps für Machu Picchu

  1. Lilly schreibt:

    Bei diesen Schilderungen und Fotos bekommt man ja dermaßen Fernweh!

  2. Lilly schreibt:

    Allerdings hätte ich ja nie gedacht, dass Rena derart in die Illegalität abgleiten kann…. ;-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s