„Wir Frauen sind verantwortlich für das, was uns auf den Straßen passiert“

So die Abmoderation der peruanischen „Journalistin“ Joyce Guerovich nach einer Reportage zum Thema sexueller Belästigung auf den Straßen Perus. Augenblicklich muss ich an das millionenfach geklickte „It’s your fault“-Video aus Indien denken, in dem Schauspielerinnen die Schuldzuweisung zu Opfern sexueller Belästigung ironisieren. Das Problem am Fall Joyce Guerovich: Ihre Aussage war völlig ironiefrei. 

Acoso callejero, Belästigung auf der Straße, werden Begebenheiten genannt, unter denen Frauen (nicht nur) in Lateinamerika tagtäglich zu leiden haben: Die Palette reicht von verbalen Äußerungen und Pfeifen über Berührungen bis hin zu Verfolgungen und Schlimmerem. Während physische Aggressionen zweifelsohne ein gravierendes Problem darstellen, sind verbale Aggressionen noch um ein Vielfaches häufiger, noch mehr:  Sie ist schlichtweg unumgänglich.

Das Fatale: Kommentare, Hinterherpfeifen etc. sind in Lateinamerika gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Ärgert frau sich darüber, hat sie schnell das Etikett der verklemmten Spaßbremse an sich kleben. Oder eben es wird ihr die Schuld zugewiesen. Nach dem grauenhaften Denkmuster à la „Du willst es doch auch“ heißt es, wer Dekolletée trage, würde zweifelsohne auch Sprüche darüber hören wollen. Oder wie es ein Leser in der Online-Kommentarspalte der peruanischen Zeitung „El Comercio“ ausdrückt: „Wer sich wie eine Hure anzieht, wird auch wie eine behandelt. Respektiert ihr eine Hure? Eben“.

Uni-Initiative gegen Belästigung auf der Straße

Eine Initiative der Päpstlich-Katholischen Universität Lima hat sich den Kampf gegen diese Sicht- und Verhaltensweisen zur Aufgabe gemacht. Die Gruppe namens „Paremos el acoso callejero“ („Stoppen wir die Belästigung auf den Straßen“) besteht aus einer Dozentin und mehr als 20 Student_innen.  Die Gruppe führt ein Blog, auf dem man Reportagen über Vorfälle sowie Verhaltenstipps findet, organisiert Workshops und Informationsveranstaltungen zum Thema. Zusätzlich informiert sie auf ihrer Facebook-Seite, die inzwischen mehr als 19 000 Likes zählt.

Logo von "Paremos el Callejero"

Logo der Initiative „Stoppen wir sexuelle Belästigung auf der Straße“

Außerdem beobachtet sie die mediale Reflexion des Themas und versucht diese gegebenenfalls zu korrigieren. Auf ihrem Blog hält sie richtigerweise fest, dass diese einen großen Einfluss auf gesellschaftliche Tendenzen und Akzeptanzen hat. Zu einer Reportage von „Frecuencia Latina“ (einer der größten peruanischen Fernsehsender), der sexuelle Kommentare auf der Straße als witzige, amüsante Bemerkungen pries, schrieb „Paremos el acoso callejero“ deshalb eine Stellungnahme, die mehrere NGOs und mehr als 400 Bürger_innen unterzeichneten. Es folgten Gespräche mit den Geschäftsführern des Senders; Das Ergebnis waren sowohl eine neue Reportage, die sexuelle Belästigung auch als solche widerspiegelte und eine öffentliche Entschuldigung des Senders.

Hoffnungsvoller Beginn, desaströses Ende: Die Reportage bei ATV 

Vor wenigen Wochen sah nun die Organisation ihre Chance, ihr Anliegen medial weiter zu verbreiten, und zwar durch eine Reportage bei dem Sender ATV. Mitglieder der Gruppe wurden gefilmt und über ihre Ziele und Maßnahmen interviewt.

So weit, so gut. Was dabei jedoch herauskam, war  so kontraproduktiv und absurd, dass ich dem Ganzen umgehend einen Blogeintrag samt Übersetzungen widmen wollte.

Dieser Beitrag wurde unter Peru, Texte auf Deutsch abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s