„Den Frauen gefallen die Sprüche doch!“

Sexuelle Belästigung ist in Peru dieser Tage ein vieldiskutiertes Thema. Doch auch mein deutscher Blog-Artikel darüber hat so viele Klicks gebracht wie kein textlastiger Eintrag zuvor. 2013 ist das Jahr der #Aufschrei-Debatte, das durch einen Artikel über die Sprüche Rainer Brüderles ausgelöst wurde. Kommentare wie die seinen sind auf Perus Strassen gang und gebe, die Situation ist härter als in meiner Heimat. Die Argumente und Rechtfertigungsversuche sind jedoch die Gleichen. Deshalb werden sie hier analysiert – heute auf Deutsch, nächste Woche auf Spanisch.

1. „Den Frauen gefallen die Sprüche doch!“

Wer von den Frauen als einer gleichförmigen Masse spricht, sollte noch mal ganz von vorne anfangen… Nach meinem gestrigen Artikel haben mich allerdings mehrere männliche Bekannte sowie meine Mutter darauf angesprochen, ob ich nicht meine, dass es auch Frauen gebe, die Kommentare oder Hinterherpfeifen auf der Strasse genießen bzw. bewusst versuchen, diese durch ihr Auftreten herbeizuführen. Dass manchen Frauen anzügliche Sprüche (Betonung auf Sprüche, keine physischen Aggressionen!) gefallen, sieht man am Beispiel des Models in der unglückseligen Reportage, die ich in meinem letzten Eintrag beschreibe. Dies generell abzustreiten, wäre genau so, wie die Existenz jedweder beliebigen individuellen Empfindung oder Verhaltensweise zu leugnen.
Man sollte allerdings zwei Punkte über das Wesen des Menschen bedenken:
– Man erkennt es nicht am Kleidungsstil.
– Empfindungen und Ansichten eines Individuums sind nie verallgemeinerbar.

Wenn uns ein Äthiopier erzählt, er persönlich fände Witze über den Hunger in seinem Land total spaßig, leiten wir daraus ab, dass man gegenüber allen Äthiopier_innen solche Witze machen darf? Eben.

2. „Wenn Frauen nicht sexy gefunden werden wollten, würden sie keine knappe Kleidung tragen!“


Es gibt natürlich graduelle Unterschiede in der Freizügigkeit von Kleidung. Diese zu wählen, hängt allerdings nicht ausschließlich vom Faktor ab, so sehr oder so wenig sexy wie möglich sein zu wollen.
Zum Ersten wäre da die Tatsache, dass die Temperaturen auf der Erde bisweilen sehr heiß sein können. Dies legt leichte, knappe Kleidung nahe (insofern man weiße Leinenkittel nicht für den letzten Schrei hält).
Zum Zweiten wäre da der persönliche Geschmack. Zuallererst kleide ich mich nämlich nicht für andere, sondern, um mit meinem Spiegelbild zufrieden zu sein.
Da ich beispielsweise mein Dekolletee schön finde, trage ich hin und wieder Kleidung, die dieses betont. Und zwar zu verschiedenen Anlässen; nicht nur auf Uni-, sondern auch auf Familienfeiern. Diese Tatsache sollte die Idee mit dem Sexy-Gefunden-Werden-Wollen ein wenig relativieren…
Doch manchmal, auch das soll nicht generell geleugnet werden, möchte eine Frau in der Tat das Interesse von Männern (oder Frauen) wecken, die sie attraktiv findet, und setzt dazu womöglich auch körperbetonte Klamotten ein. Und wenn dann dem hübschen Sportler im Bussitz gegenüber kurz der Blick ins Dekolletee abrutscht, fühlt sich das möglicherweise nicht schlecht an.
Allerdings: Wenn es über einen unabsichtlichen Blick hinausgeht und in penetrantes Starren oder Pfeifen und Sprücheklopfen ausartet, dann wirkt auch der best gebaute Surferboy abstoßend. Womit wir beim nächsten Argument ankommen.

Dieser Beitrag wurde unter Texte auf Deutsch, Uncategorized abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s