Peruanisch-Bolivianisches Reisetagebuch – Tag 6: Mondtal und Edelsteine

Wir befinden uns in La Paz, der schwindelerregenden Metropole Boliviens. Der zweite und zugleich schon letzte Tag bricht an. Wir machen uns auf die Suche nach dem Mondtal, der Kokapflanze und einzigartigen Edelsteinen.

Nach einem Tag im urbanen Chaos sind wir uns einig, dass wir uns heute lieber eines der vielen Naturwunder Boliviens anschauen wollen. Zehn Kilometer außerhalb der Stadt liegt das Valle de la Luna (Mondtal), eine Landschaft voller sandfarbener, kraterähnlicher Felsformationen, die an den Mond oder zumindest an irgendetwas Außerirdisches erinnern. Über Millionen Jahre hinweg sind die bizarren Gebilde entstanden.

Wir bestellen uns ein Taxi dorthin. Auf der Fahrt erzählt uns der Fahrer dies und das über La Paz, zum Beispiel, dass die Straßen aufgrund der hügeligen Lage so schmal gebaut seien und dass es insgesamt zwei, maximal drei Supermärkte in der Stadt gebe. Auch über die Lamaföten weiß er angeblich Bescheid: Diese seien ein „Nebenprodukt“ regulärer Schlachtungen – die Bauern hätten keinen Überblick über Schwangerschaften in der Herde und schlachteten zu gegebenem Zeitpunkt für die Fleischproduktion; wenn ein trächtiges Lama darunter sei, würden die Föten als Glücksbringer weiterverkauft. Glaubwürdig? Es ist möglich, die Schwangerschaft eines Lamas anhand ihres Verhaltens gegenüber Männchen zu prüfen. Die wahren Mechanismen der Lamaindustrie kann ich auf die Schnelle allerdings nicht entschlüsseln.

Auf dem Mond 

Auf einer staubigen Landstraße kommen wir zum Stehen. Die Sonne brennt herab. Wir befinden uns auf über 3000 Meter Höhe. Ich denke an das unfreiwillige Gegrilltwerden auf Machu Picchu und verfluche mich, dass ich schon wieder keine Sonnencreme eingesteckt habe. So muss zumindest ein Hut her. In einer Touristenbude kaufe ich kurzerhand ein „traditionelles“ Modell, das mir eigentlich sogar sehr gefällt, auch wenn sich Miguel prächtig über das touristische Outfit amüsiert.

Und dann betreten wir das Mondtal. Die Landschaft, die vor uns liegt, verzaubert mich. Nah und doch fern vom Tumult in La Paz wirkt sie tatsächlich wie von einem anderen Planeten. Aber in diesem Fall sagen Bilder zweifellos mehr als tausend Worte:

Auf der Rückfahrt schlägt Miguel die Höhe auf den Kreislauf. Bisher hatten wir sie relativ gut vertragen, aber nun plagen ihn Kopfschmerzen. Zurück im Hotel stecke ich ihm eine Hand voll Kokablätter in den Mund, die er seinem Schicksal ergeben wiederkäut und dann ziemlich schnell einschläft. Da die Kokablätter ihn tatsächlich ziemlich schnell wieder fit machen, schauen wir uns anschließend das Museum über diese Wunderpflanze an, das „Museo de la Coca“. Am Eingang erwarten uns drei füllige Hippies mit wilden Mähnen, die Karten spielen und – natürlich – Kokablätter kauen. Außerdem erklären sie uns freundlich den Rundweg durchs Museum und haben sogar eine Mappe mit deutschen Erklärungen parat.
So machen wir uns auf den Weg, um in 20 Stationen Geschichte, Wirkung und Polemik rund um die Kokapflanze kennenzulernen.

Kultur einer umstrittenen Pflanze 

Wir erfahren, dass die Spanier in Südamerika den Konsum der Pflanze zeitweise als Teufelswerk verboten, es aber bald wieder erlaubten, als ihnen aufging, dass die Arbeiter auf den Plantagen durch den Konsum länger und härter arbeiten konnten.
Wir lernen auch, dass die Kokapflanze im 20. Jahrhundert in den USA als Ursache der Armut Lateinamerikas bezeichnet wurde, da das Kauen ihrer Blätter die Leute zu unfähigen Drogensüchtigen mache. Und auch in jüngster Vergangenheit gibt der Anbau der Kokapflanze Anlass zu internationalen Diskussionen (zum Weiterlesen hier eine Reportage der SZ).

Tatsache ist, dass die Kokapflanze die Grundlage für Kokain darstellt. Direkt konsumiert, also nicht chemisch aufbereitet, entfaltet sie allerdings eine andere, mildere Wirkung und hilft gegen Ermüdung, Hunger, Kopfschmerzen und Höhenkrankheit. Das bemerken auch Miguel und ich. Es kommt mir seltsam vor, dass ich sie nicht nach Deutschland ausführen darf, wo sie laut Betäubungsmittelgesetz verboten ist. Die Pflanze, die in Südperu und Bolivien in den Alltag integriert ist und auch uns auf der Reise als Hilfsmittel gegen Höhenluft und Nahrungsergänzung dient, soll in meiner Heimat eine illegale Droge sein?

Nach dem Museumsbesuch streifen wir noch ein bisschen durch die Innenstadt, auf der Suche nach einem einzigartigen Edelstein: Dem Bolivianito, einer natürlichen Fusion aus Amethyst und Citrin. Laut einer Legende soll er für ewige Liebe stehen, was ich allerdings erst bei der Recherche für diesen Blogeintrag erfahre. Wir finden ihn in vielen Formationen, in Kettenanhängern und sonstigen Accessoires. Trotzdem gönne ich mir den Kauf nicht und ärgere mich nun darüber, während ich dies schreibe.

Und dann fallen wir relativ schnell ins Bett, denn am nächsten Morgen sollen wir um 6.30 Uhr aus den Federn, um den Bus zu erwischen zu unserer letzten Reisestation: Dem Titicacasee.

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