Próxima Estación: Colombia

Auf dem Weg nach Bogotá habe ich aufgeschrieben, was ich die nächsten Monate in Kolumbien vorhabe… und was euch hier im Blog erwartet.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne… Hesses bekannte Zeile gilt zweifellos auch für Reisen. Einer ihrer schönsten Momente ist der Beginn.

Diese Reise beginnt in Etappen. Ich fahre schon am Vorabend nach Frankfurt, muss also einen Tag vorher alles fertig gepackt haben (!). Ich verbinde ein Wiedersehen mit einer alten Freundin mit dem Vorteil, in Flughafennähe aufzuwachen und hoffentlich ruhig zu starten. Was tatsächlich gelingt.

Pünktlich in den ersten Flieger, dann wieder raus in Madrid, einmal quer durch den Flughafen traben (es scheint mir eine festgeschriebene Regel, dass man bei Umstiegen in Madrid immer genau an den weitest entfernten Gates an- bzw. abreisen muss, vor allem, bei kurzer Transferzeit). Gerade noch rechtzeitig erreiche ich Julio Iglesias. So heißt die Maschine, die mich über den Atlantik bringen will. Seit wann haben Flugzeuge Namen? Und was wäre das deutsche Äquivalent: Wolle Petry?

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Julio Iglesias steht für mich in Madrid bereit.

Schlager beiseite, ich wähle Beyoncé aus dem Bord-Musikprogramm aus und konzentriere mich auf den Abflug. Ein Flugzeugstart ist für mich immer noch magisch. Vor allem, wenn es richtig weit weg geht. Im Bauch das Kribbeln und im Kopf die Gewissheit (naja, zumindest: Hoffnung), die nächsten Schritte auf einem anderen Kontinent zu gehen.

Die Maschine beschleunigt, hebt ab. Ich bin im Himmel, próxima estación: Colombia.

Und was machst du da eigentlich?

Diese Frage wurde mir in letzter Zeit oft gestellt, auch von mir selbst.
Die kürzeste Antwort: Reisen und schreiben.

Genauer: Ich arbeite freiberuflich und kombiniere das mit einer Reise durch Kolumbien. Oder umgekehrt. Hier, im Blog, soll es eine ähnliche Themenmischung geben wie bisher: Reisen, Politik, Liebe, Feminismus, Fotografie.

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Bloggen auf der Terrasse der Biblioteca Luis Angel Arango. Gratis und wunderbar,

Warum Kolumbien? Warum jetzt? – “Narcos” und der Friedensvertrag

Bekanntlicherweise liebe ich Lateinamerika, und Kolumbien stand schon lange auf meiner Wunschliste. Jetzt scheint der Moment perfekt, denn das Land durchlebt einen wahren Schlüsselmoment:

Der erste Friedensvertrag, der den 52-jährigen Bürgerkrieg endgültig beenden sollte, wurde in einem Volksentscheid Anfang Oktober hauchdünn abgelehnt. Während ich hier auf dem Balkon einer Bibliothek diese Zeilen tippe, unterschreiben einige Blocks weiter (die Absperrungen sind in Sichtweite) Präsident Juan Manuel Santos und Farc-Chef Rodrigo „Timochenko“ Londoño einen neuen, überarbeiteten Vertrag. Einen Volksentscheid soll es diesmal nicht geben.

Wie wird sich die Stimmung in den nächsten Wochen entwickeln? Wer ist für, wer dagegen und warum? Das sind zwei von vielen Fragen, die ich im Gepäck habe. Auf meiner Reise suche ich ein paar Antworten – und neuen Fragen.

Ein weiterer Grund für die neuerliche Popularität Kolumbiens in Deutschland ist die Netflix- Serie “Narcos”, basierend auf dem Leben und Sterben des Drogenbosses Pablo Escobar. Während viele Kolumbianer*innen davon eher genervt sind, spielt es denjenigen in die Hände, die mit Escobar Geschäfte machen. In Medellín, wo sein Kartell wütete, gibt es Escobar-Touren, man kann sogar in seiner ehemaligen Villa Paintball spielen. Klingt für mich erstmal ziemlich, ähm, abgefuckt. Aber gibt es auch ernstere, aufklärende Angebote? Ich hoffe, es herauszufinden.

Was ich noch so herausfinden will, ganz durcheinander:

Wie geht es Homosexuellen in Kolumbien, nachdem sie nun heiraten dürfen? Wie wird die Demonstration gegen Gewalt an Frauen morgen ablaufen? Wie läuft Pole Dance als Sport in Kolumbien? Ist Salsa in Cali wirklich so faszinierend? Wie werde ich als solo reisende junge Frau wahrgenommen?

Was meine Reiseroute anbetrifft, so will ich wie immer mischen. Am Strand abhängen und Berge erklimmen, in pulsierende Großstädte eintauchen und in verschlafenen Kolonialdörfern wieder Luft holen. Kolumbien bietet alles davon. Außerdem: Couchsurfen so viel wie möglich, um Land und Leute so nah wie möglich zu erleben.

Ein paar To-Dos auf meiner Reiseliste:

  •  Ameisen essen in Barichara
  • Tauchen – zum ersten Mal!
  • Salsa tanzen in Cali – egal, wie blamabel!
  • Zu Ciudad Perdida wandern (tagelang durch den Dschungel, zu einer antiken Ruinenstadt aus nicht geklärter Zeit!)
  • Auf Gabriel Garcia Marquez‘ Spuren wandeln – in Museen und Orten, die seine Geschichten inspirierten
  • Hacienda Napoles (Escobars ehemaliges Reich) besuchen, eine Escobar-Tour machen und darüber schreiben
  • Irgendetwas tun, was ich nie erwartet hätte. Mich selbst überraschen.

Handy-Schnappschüsse von meinem ersten Tag in Bogotá

Diese Diashow benötigt JavaScript.

[Edit, vier Monate später: Wie immer kam alles ganz anders. Meine Route endete in einem kuriosen Zickzack, Punkte auf der ToDo-Liste wurden nicht abgehakt, dafür kamen andere hinzu, die ich nie erwartet hätte. Was gleichzeitig heißt, dass mindestens ein Punkt eben doch erfüllt wurde: „Irgendetwas tun, was ich nie erwartet hätte. Mich selbst überraschen“].

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Eine Antwort zu Próxima Estación: Colombia

  1. kercusrobur schreibt:

    Rena! Me alegra verte por los blogs!

    Me recuerdas (tal vez me recuerdes en mi blog)? Soy David

    Acabo de ver esta entrada tuya en „WordPress Reader“. Estás en Colombia ahora? Yo también viajo a Colombia en Diciembre… Tal vez podamos coincidir!

    Enhorabuena por tu blog y por tus viajes. Un abrazo!

    David

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